Einmal quer durch´s Mittelmeer Toernbericht 2002 - Teil 01

205x037.jpg (16411 Byte)Alsdann gings nach Mahon an die Boje Nr. 17, wo wir dachten, 2-3 Tage auf den passenden Wind für die erste Nachtfahrt nach Sardinien warten zu müssen........ kurz gesagt: es wurden satte 3 Wochen.

205x043.jpg (13051 Byte)Wie die hypnotisierten Karnickel starrten wir auf eine nicht endenwollende Kette von atlantischen Tiefs, die die Balearen beutelten. Es war regnerisch, stürmisch und vor allem saukalt. Und wenn mal Ruhe war, konnte man sicher sein, bretterte ein NW 9 in Lyon und brachte die passende Welle in unser Gebiet, also auch nichts....

Aber schliesslich konnte das ja nicht ewig so weitergehen und am Mittwoch den 12.6.02 war es dann endlich soweit. Gemäss der alten Fahrtenseglerweisheit "Lieber gut gemotort, wie schlecht gesegelt" hatten wir, um aller Unbill aus dem Weg zu gehen auf sehr ruhiges Wetter gewartet. Für besagten Mittwoch waren sich alle Wetterfrösche, die wir per Internet in unser schwimmendes Heim holen, einig:

205x067.jpg (11933 Byte) so gut wie kein Wind für die nächsten Tage und Nächte und das aus W *lach*...... die Altdünung aus Lyon sollte auch abgebaut sein und so lösten wir am Mittwochmorgen endgültig die Leinen.

Wir hatten uns ein sanftes Dahingleiten auf glatter See ausgemalt... tja..... die Dünung, die uns gleich hinter La Mola empfing, stutzte mal die hohen Erwartungen. Eine halbe Welle von 0.5-1m, das klingt nicht viel, aber für einen Katamaran und dann noch ohne Wind ist das nicht so witzig. Der Skipper guckt leicht kariert aus der Wäsche und ich bin sauer...... weiss selbst nicht auf wen, einfach mies drauf.

205x071.jpg (22292 Byte)Also verkrieche ich mich mit Strickzeug in meine Stammecke im Cockpit und starre gedankenverloren auf die Schleppangel, die wir nigelnagelneu auf Mallorca erstanden haben und die nun zum ersten Einsatz kommt. Mein Skipper sagt mir ohnehin hexerische Fähigkeiten nach und so wundert mich nix, als, gerade als ich denke "wenn nun ein Fisch beisst, wie bekomme ich das doofe Netz aus seiner Verzurrung???" es *Rrrrrratsch* macht und die Hochseeangel rauscht mit Getöse aus.

205x077.jpg (14797 Byte)"Fffff.....Ffffiiiiiiiiiiisch" brülle ich ins Schiffsinnere und Fritz stürmt ungläubig auf die Plattform. Ein ordentlicher Kerl kämpft da hinten um sein Leben, aber Stück um Stück holt ihn der Skipper ein und am Ende präsentiert er mir einen kapitalen Weissthun. Die gute alte Söhnle - Personenwaage meldet 7kg, aber hallo, da sage einer, im West-Med gäb´s keinen Fisch mehr!!

Schnell holen wir die 2. Angel ein, denn auch so schon muss ich mir rezepttechnisch einiges einfallen lassen, wie wir zu zweit das nach ausnehmen verbleibende Fleisch von ca. 4 kg vertilgen können.

205x080.jpg (13191 Byte)So gibt es abends auf hoher See vor einem dramatisch blutroten Sonnenuntergang hinter Schleierzirren erstmal Sushi satt, eine Ladung wird in Zitronensaft mit Gewürzen mariniert und der Rest zu einem obergeilen Stew mit viiiel Knoblauch und Sahne verarbeitet... jadoch, so ein Segler hat´s echt schwer!

205x085.jpg (25604 Byte)Wenn nur unser altes Problem nicht wäre, der Schlafmangel. Fritz gehts da zwar besser als mir, aber dennoch hat man natürlich ein Schlafdefizit und fühlt sich leicht durch den Wolf gedreht, wenn die Nachtfahrt endlich ihrem Ende zugeht. Die aufgehende Sonne wird freudig begrüsst, Schildkröten paddeln mir ein träges "buon giorno" zu. Nicht so witzig ist dann nach der Nacht immer der Blick auf die Karte: in der Nacht denkt man, man rast mit einem Ferrari ins schwarze Nichts, aber wenn man dann brav stündlich seine Standorte einträgt und alles im Morgengrauen genau beguckt, dann war´s halt doch bloss Drahtesel-Tempo.

Am Donnerstag um 17 Uhr fällt in Carloforte auf der Isla de San Pietro der Anker und wir sind glücklich: die erste der beiden Nächte ist überstanden.

Und das auch noch extrem gut, denn, was wir nicht zu hoffen gewagt hätten und was nach unserer Erfahrung höchst selten ist im Mittelmeer: wir konnten bei konstanten (!) 10-12 kn aus N die Genua sage und schreibe 18 Stunden in der gleichen Segelstellung stehen lassen, das haben wir nicht oft erlebt!

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© Copyright 2002, Friedrich und Karin Gerkhardt
Catamaran
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Einmal quer durchs Mittelmeer
mit einem Prout-Catamaran Snowgoose 37 Elite


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